ein Jahr vegan in Vietnam

Nun sind meine Fotos aus Vietnam sortiert, und ich kann euch präsentieren, was man als Veganer in Vietnam ein Jahr lang so essen kann:

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Glasnudelsalat, Gastfamilie #1/xa lát miến

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Kürbissuppe (wird auf den Reis gekippt und dann gegessen), Gastfamilie #1/canh bì

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grüner "westlicher" Salat mit einer chinesischen Blumensorte, Gastfamilie #1

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Tomatensuppe mit Tofu und Taro-Kartoffeln, Gastfamilie #3 /canh cà chua đậu khoài môn

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Suppe aus eine der 20 Kohlsorten, die es in Vietnam gibt, gelber Klebreis, Gastfamilie #1 /canh cải, xôi xèo

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Mein vegan zusammengestelltes Essen aus der Schulküche: gekochter Weißkohl, gebratenes Gemüse, das mit Kohlrhabi vewandt ist, frittierter Tofu, und Wasserspinat in der Reisschüssel. /cải bắp luộc, xu xu xào, đậu phù chiên, rau muống xào

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"Bun"-Nudelsuppe auf Tomatenbasis mit Karotten, Gastfamilie #3 /bún cà chua với cà rốt

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vollständige Mahlzeit bei Gastfamilie #3: von links nach rechts: gekochter Kohlrabi, frittierter und dann süß angekochter Tofu, Weißkohl in Tomaten angebraten, gebratene Erdnüsse, in der Mitte das Wasser, in dem der Tofu gekocht wurde (wird am Ende der Mahlzeit über den Reis gekippt und suppenartig gegessen) /xu hào luộc, đậu phù luộc ngọt, cải bắp xào cà chua, lạc rang, canh ngọt

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Abschiedsessen bei Gastfamilie #1, von rechts nach links: Obstteller mit Drachenfrucht, Apfel und grünen Orangen (Obst ist bei allen vietnamesischen Mahlzeiten der Nachtisch), grüner Salat, Kohlsuppe, dahinter Fisch (die einzige nicht-vegane Speise), 2 Teller Glasnudelsalat mit Erdnüssen, Bananen, eine Schüssel gelber Klebreis, eine Schüssel Chilidip, Getränke aus aufgekochten roten Früchten. /quả thanh long, quả táo, quả cam, xa lát tây, canh cải, cá, xa lát miến, quả chuối, xôi xèo, nước ớt, nước đỏ hoa quả?

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Ein Snack aus Soja-Molke (ein Zwischenprodukt bei der Tofuproduktion) und Zuckerwasser. Wird durchgemischt und dann getrunken. /tào phớ


Und nun noch ein paar abschließende Gedanken:

In Europa fühlen sich die meisten (vor allem Erwachsene, die selbst kochen) durch Vegetarismus/Veganismus vor allem eins: angegriffen. Angegriffen in ihrer Privatsphäre, als ob man sie angeschriehen hätte und aufgefordert, ebenfalls auf Tierprodukte zu verzichten. Es kommen oft Reaktionen wie "Es schmeckt einfach zu gut; wir können ja nicht alle Vegetarier werden; es wird gegessen, was auf den Tisch kommt; so muss das sein!" Man fühlt sich dem Vegetarier gegenüber Rechenschaft schuldig, wiel man die ethische/politische Einstellung dahinter vermutet.

In Vietnam denkt an so etwas niemand. Hier sind Veganer in der Regel Mönche, und die meisten Menschen haben bisher von meinem Veganismus wahrscheinlich entweder gedacht, dass er religiös begründet ist, oder dass ich Angst habe, dick zu werden. Es kommt zwar öfters die Frage, warum ich denn vegan esse, aber auf meine Erklärungsversuche erhalte ich oft ein hohles Nicken. Jetzt wo die wirtschaftliche Entwicklung im Gange ist, und man endlich Fleisch essen kann, wann man will, wird es nicht verstanden, wieso man aus ökologischem Bewusstsein auf etwas verzichten würde.

Ein offenes Geheimnis ist es auch, dass Mönche außerhalb der Pagode und an Tagen, die im Mondkalender nicht wichtig sind, durchaus sehr gerne Fleisch essen. Es gibt auch nicht weniger Menschen, die sich an einigen Tagen im Monat (abhängig vom Mondkalender) aus religiösen Gründen zu einer veganen Ernährung durchringen, dann allerdings an den anderen Tagen dies durch noch größere Fleischportionen "wett machen". Es ist daher schon oft passiert, dass mir, nachdem bekannt wurde, dass ich vegan esse, ein Stück Fleisch in die Reisschüssel gesteckt wurde mit dem Kommentar "Ich verrat's auch keinem.. nur ein kleines Stück, ist nicht schlimm." und ich daraufhin erklären musste, dass ich immer vegan esse, das ganze Jahr.
"Wie, das ganze Jahr? Ohne Unterbrechung?!"

Schlussendlich möchte ich feststellen, dass es in Vietnam (noch) einfacher ist, vegan zu essen als in Deutschland, denn die Gerichte sind, wie auf den Bildern zu sehen, auf verschiedenen Tellern und Schüssel getrennt und nicht wie in Deutschland in einem großen Topf zusammengekocht. Das heißt, jeder kann sich nur das rausnehmen, was er wirklich essen will. Und je ärmer die Familie, desto weniger Fleisch gibt es sowieso.
Wie sich das allerdings in Zukunft entwickeln wird, ist klar: Man strebt nach dem Westen und eben auch nach jenem Fleischkonsum. Importiertes Milchpulver und Wurst aus deutscher Produktion breitet sich jetzt schon aus den Speiseplänen aus.

6.8.12 13:29

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


yeuem (6.8.12 22:24)
interessante vegane Gerichte, kenne das gut

frag mich nur immer warum vegan
also so absolut


margarinia / Website (14.8.12 13:56)
Sieht wirklich lecker aus. Und es ist echt nervig, dass sich Leute gleich angegriffen fühlen, und in ihrer Ehre verletzt fühlen, wenn man nur sagt, man isst vegetarisch/vegan (ohne irgendeine Anmerkung zu ihrem Ess- /Kochverhalten). Und Leute, die dann ihre Ehre "retten", indem sie einem klar machen, dass vernünftige Leute Fleisch essen. Oder einen sogar gegen die eigenen Freunde ausspielen wollen, indem sie mir sagen, die wären wenigstens vernünftig, wenn sie Fleisch essen...
Man muss viel ignorieren.


sylvia (18.12.14 18:24)
wie ist deine erfahrung mit der allegegenwärtigen fischsauce?


Laura (18.12.14 22:42)
Die gibt es oft als "Dip" in extra-Schälchen. In der Regel also, wenn man nicht will, muss mein sein Essen nicht reintunken.

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