Geburtsagskram

Eigentlich hatte ich nicht vor, über so etwas uninteressantes wie meinen eigenen Geburtstag zu schreiben, aber es haben sich doch letztendlich im Rahmen der ganzen Feierei ein paar interessante Situationen ergeben, die eine Kommentar wert sind.

Meine erste Feier war bei meiner Familie, drei Tage vor meinem Geburtstag, denn in Asien ist es eher üblich vorzufeiern als nachzufeiern (in China glaubt man sogar, dass nachfeiern Unglück bringt, so wie in Europa das Vorfeiern. Mir ist aufgefallen, dass es für das Wort "nachträglich", was ja fast ausschließlich für verspätete Geburtsagsgrüße benutzt wird, in kaum einer anderen Sprache ein eigenes Wort als Entsprechung gibt.) Und es waren wirklich fast alle da, das Haus meiner Oma war rappevoll. Wie passt das zusammen, habe ich doch vor einiger Zeit festgestellt, dass Geburtstage in Vietnam mehr als unwichtig sind, gern unerwähnt bleiben und kaum gefeiert werden? Nun ja, erstens verhält es sich bei kleinen Kindern anders, hier ist es durchaus angebracht, eine große Feier zu schmeißen. Und in meiner Familienhierarchie bin ich ja eindeuig ein Kind. Und zweitens ist es vielleicht auch einfach etwas anderes, weil ich die weitangereiste Nichte bin, die zum ersten Mal in ihrem Leben den Geburtstag in Vietnam verbringt, da fanden es meine Tanten schon angemessen, eine Feier zu organisieren.

Ich glaube, dieses Foto erklärt fast von selbst, warum es kein besseres Foto mit allen zusammen gibt: Es herrschte ein nie endendes Gewusel, ständig standen Leute auf und liefen umher, holten was aus der Küche etc. Die einen hatten schon aufgegessen, als die anderen noch nicht begonnen hatten.
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Wer auf diesem Bild noch fehlt: zwei Tanten, ein Onkel und vier Cousins

Ein paar Dinge sind mir dabei aufgefallen zum Thema "Pläne und Realität". Einerseits wurde ich vorher aufwändig gefragt, was denn meine Lieblingsgerichte sein, und dann wurde groß diskutiert, wie man dass den vegan hinbekommen könnte (bei einer Suppe mit gekochten Bananen und Tofu ist zum Beispiel standardgemäß Schnecke dabei, die ich nur immer weglasse). Trotzdem gab es dann am Ende aus irgendeinem Grund bún riêu, Nudelsuppe mit Krebsfleisch, was jetzt auch nicht so schlimm war, ich konnte das Fleisch problemlos weglassen. Aber lustig fand ich's schon irgendwie, wie sie eine Woche vorher ausgiebig diskutierten, wie man denn jetzt die Tofusuppe vegan hinbekommt, und wer zum Markt gehen soll die Zutaten kaufen usw., dann am Ende einen fertigen Plan zu haben, der dann aber aus irgendeinem Grund völlig überworfen wurde, weil irgendwer beschlossen hatte, dass es bún riêu geben soll.
Die zweite Sache war meine Großmutter, die dabei war, als der Termin für die Feier festgelegt wurde, aber zu dem Zeitpunkt schon gewusst haben musste, dass an dem Tag die Todesfeier von irgendeinem fernen Verwandten stattfinden würde, zu der sie anwesend sein musste (denn Todestage sind ja wichtiger als Geburtstage), aber das hinderte sie nicht daran, zuzustimmen und abzunicken, und dann bei meiner Geburtstagsfeier einfach nicht anwesend zu sein. Vielleicht fällt das unter die Kategorie "Ich nehme meine eigene Person nicht so wichtig, dass wegen mir irgendwelche Termine verschoben werden sollen"...
Die Ehefrau meiner Tante verteilt Kuchen an einige meiner Cousins.
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>Meine zweite Feier war an am Tag vor meinem Geburtstag und es war vielleicht mein bisher schönster Tag hier in Vietnam. Meine engsten Freunde, nämlich meine Englischschüler aus dem Massage Center, hatten einen ganzen Abend für mich geplant. Zunächst ein mal haben sie mir, weil sie wussten, dass mein Lieblingsgebäck Bánh Côm ist, einfach mal 40 Stück Bánh Côm geschenkt, was zwar lieb, aber völlig übertrieben ist, weil man von mindestens zwei solcher Dinge pappsatt wird und sich so etwas nur drei Tage lang hält. Ich musste ziemlich darüber lachen, und wir haben viele Witze gemacht, was ich jetzt mit den ganzen Kuchen anfangen soll, sie werden traditionell zu Verlobungsfeiern verschenkt, vielleicht war das ja eine versteckte Aufforderung, mir hier einen Ehemann zu suchen (wird mir sowieo oft genug gesagt).
Dann entführten sie -Năm, Quỳnh, Dương, Thê und Diễn- mich in ein veganes (!!) Restaurant. Und es bestätigte sich, was ich schon von ehemaligen Freiwilligen gehört hatte: In Vietnam gibt es wahnsinnig leckeres Fleischimitat! Es war zudem ein wunderschönes Restaurant, mit säuselnder Musik, ganz anders als die chaotischen Plastikhockerstraßenplätze, wo ich sonst immer essen gehe.
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Zur Krönung des Abends gingen wir Karaoke singen, wo es leider noch eine sehr strenge sprachliche Trennung gab (ich sang die englischen Lieder, alle anderen die Vietnamesischen), aber ich versprach, bis zum Ende meines Jahres ein paar Vietnamesische Schnulzen zu lernen. Photobucket
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Wie oft sieht man schon Karaokesinger, die mit dem Rücken zum Bildschirm stehen? Die Blinden müssen halt alle Texte auswendig können.

Mein eigentlicher Geburtstag war dann relativ unspektakulär, ich hatte ziemlich viel Unterricht an dem Tag, von einigen Schülern bekam ich noch ein paar Geschenke. Am Abend kam ich ins second home und verteilte Bánh Côm (:D) und noch ein paar Süßigkeiten.
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16.12.11 18:05

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Leandra (19.12.11 01:12)
Hey Laura, alles gute nachträglich!
Ich les deinen Block immernoch sehr gespannt und freue mich, wie viele un tolle sachen du schreibst!
unter dem einen Bild (bzw. über) steht: die ehefrau meiner tante verteilt kuchen.
das find ich interessant
liebste grüße, leo


JLG-Anh (19.12.11 14:04)
Ach,das muss schön gewesen sein.
Da geht's dann wirklich um's Zusammensein und den Tag feiern. Wie ist das mit den Blinden? Wie essen sie? Ich mein in Deutschland hat ja jeder seinen eigenen Teller und so.


Laura (27.12.11 07:00)
Sorry, ich bin mit der ganzen Verwandtschaft durcheinander gekommen. Es handelt sich natürlich um die Ehefrau meines Cousins. =)

Blinde haben beim Essen, wie alle anderen auch, ihre eigene Reischüssel und bekommen meist von anderen die Zutaten dort rein gelegt. Das heißt, am Anfang beschreibe ich für die Blinden immer, was es alles auf den Tisch so gibt, und sie sagen, was sie gerne essen würden, und dann lege ich im Laufe des Essens einfach immer nach, wenn ich sehe, dass sie gerade nichts mehr in der Schüssel haben.

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