Thai

Ich moechte heute ueber Thai schreiben, ungeachtet dessen, dass ich gerade tatseachlich in Thailand bin (ich habe gestern meinen Vietnamaufenthalt fuer diesen Sommer beendet und beginne nun meine Suedostasienreise, aber dazu speater mehr), ich moechte ueber die Thai in Vietnam schreiben. Wie in meinem letzten intrag erwaehnt, habe ich eine Totenfeier in HAnoi verpasst, um einen Freund von mir in Son La zu besuchen. Son La ist eine grossfleachige Provinz an der Grenze zu Laos in der es viele Thai gibt, eine der 54 offiziell anerkannten ethnischen Minderheiten Vietnams. Einen Wikipediaeintrag hierzu gibt es leider nur auf Vietnamesisch: http://vi.wikipedia.org/wiki/Ng%C6%B0%E1%BB%9Di_Th%C3%A1i_(Vi%E1%BB%87t_Nam). Ich glaube als durchschnittlicher Hanoi-Bewohner kommt man fast nie in Kontakt mit Menschen aus ethnischen Minderheiten, die diese meist in abgelegenen Bergregionen wohnen. Aber als Freiwillige an der Blindenschule, zu der Schueler aus ganz Nordvitnam kamen (weil es die einzige Blindenschule in der Region ist), hatte ich die Gelegenheit, zwei Schueler aus ethnischen Minderheiten von entfernten Provinzen kennenzulernen.
Duong ist 23 Jahre alt, hat seine Schulzeit in Hanoi beendet und ist in sein Heimatdorf am Stadtrand der Provinzhauptstadt Son La zurueckgekehrt, um dort an der oertlichen Blindenvereinigung Braille (Blindenschrift) fuer Schueler aus der ganzen Provinz zu unterrichten. Ein Alphabetisierungskurs sozusagen, damit seine Schueler im Anschluss die noetigen Grundlagen haben, um eventuell an der Blindenschule in Hanoi zu lernen.
Duong war ein enger Freund von mir geworden und ich hatte ihm versprochen, in in seinem Heimatdorf besuchen zu kommen, was mich eine 8-stuendige Busfahrt und viel Reiseuebelkeit gekostet hat. Insgeheim hatte ich mir auch erhofft, einen Einblick darin zu bekommen, wie die Thai so leben und wie der Alltag ethnischer Minderheiten in Vietnam ist. Meine Exotiklust wurde wohl ziemlich enttaeuscht, denn der Alltag der ethnischen Minderheiten ist wohl auch kaum anders als der Alltag aller Vietnamesen. Ich hatte erwartet, dass Duongs Familie in Stelzenhaeusern wohnt, traditionelle Kleidung traegt, den ganzen Tag Thai spricht, und irgendwelche Rituale begeht. Stattdessen hat Duongs Mutter einen Allerlei-laden, wohnt in einem ganz normalen Steinhaus, spricht den Grossteil des Tages Vietnamesisch, und zieht ihre Tracht auch nur so haeufig an, wie die Vietnamesen ihr Ao Dai oder die Deutschen ihr Dirndl (naemlich nur um Fotos zu schiessen, wie weiter unten zu bestaunen ist).

Am Morgen nahm mich Duong auf eine kleine Besichtigungstour durch die Stadt und wir besuchten unter anderem das Museum im ehemaligen Franzoesischen Kolonialgefaengnis, was sehr sehenswert ist und erzaehlt, wie vietnamesische Revolutionaere das Gefaengnis als Planungszentrale und Schule fuer ihre Revolutionsplaene gegen die franzoesischen Kolonialherren nutzen. Mehr Infos: http://www.vietnamonline.com/attraction/son-la-former-prison-museum.html

Aus Anlass meines Besuches wurde dann ein grosses Essen mit allen Verwandten organisiert, was im Hause eines Onkels stattfand, der dann doch in einem Stelzenhaus wohnte Solche Haeuser sind aus Bamus und Holz gebaut (Holz und Stein, wenn man reicher ist), stehen auf etwa 2,5m hohen Saeulen. Eine Aussentreppe fuehrt nach oben, wo der Wohnraum meist aus einem einzigen groessen Zimmer besteht. Die Fenster sind meist nicht verglast, und der Boden hauefig aus Bambus gewebt, damit Frischlust von unten kommt. Gesessen wird auf quadratischen Kissen, die aus irgendeinem besonders festen Material sind (daraus sind auch die Matrazen, darauf schlaeft man vozueglich!). Statt von Tischen oder vom Boden isst man typischerweise von runden Serviertabletts, die eine Erhebung haben. Waehrrend des Essens habe ich mich nicht getraut Fotos zu schiessen, ich waer mir wie eine Ethnologin vergekommen, die den Lebensstil einer fremden Kultur dokumentieren will. Deshalb nur ein Foto von spaeter am Tag, als wir in kleiner Runde Fruechte im Hause eines anderen Onkels assen.

Zu Essen gab es einige Speisen, von denen mir gesagt wurde, dass sie typsich traditionell sind, aber ich kannte die meisten Zutaten vom Namen nicht und konnte deshalb nicht sagen, ob es besondere Gemuesesorten waren oder einfach nur eine andere Zubereitungsart. Die verheirateten Frauen trugen ihr Haar in einem Knoten auf dem Kopf, verziert mit Blumenbroschen, allerdings erzaehlte mir Duongs Bruder auch, dass er mit seiner Frau entscheiden hatte, dass sie aus diese Haartracht verzichten kann und ihr Haar traegt wie sie will (den Grund hat er nicht gesagt, aber ich vermute, dass sie einfach modern sein wollen). Waehrrend des Essens wurde dann doch recht viel Thai gesprochen, nach einiger Zeit habe ich auch abgeschaltet und gar nicht mehr registriert, wenn jemand mit mir doch Vietnamesische gesprochen hat, so aehnlich hoerten sich die Sprachen an. Meine Zeit dort war zu kurz um detaillierten linguistischen Studien nachzugehen, aber eine enge Verwandtschaft zu dem Thailaendisch, was in Thailand gesprochen wird, muss schon bestehen, denn mein Gastgeber in Bangkok hat mir gerade bestaetigt, dass zumindest die Ziffern 1,2,3 identisch sind (nung, song, sa), mehr hatte ich mir nicht gemerkt. Wir fuehrten dann noch eine kurze Unterhaltung ueber das Aussterben von Sprachen. Aus der Uni meinte ich mich zu erinnern, dass bist 2050 erwartet wird, dass sich die Anzahl der Weltweit gesprochenen Sprachen von 6.000 auf 3.000 reduziert. Mir wurde von Duongs Verwandtschaft erzaehlt, dass vor einigen Jahren ein Kurs in der stadt eroeffnet wurde, in dem Thai unterrichtet wird, in einem Bestreben, die Sprache zu erhalten. Ueberaus besorgt schien mir allerdings niemand um die Sprache, sie alle sprochen fliessend Vietnamesisch, und die kleine 8-jaehrige Schwester von Duongs konnte nicht mal aktiv Thai sprechen (aehnlich wie meine Geschwister in Deutschland kaum aktiv Vietnamesisch sprechen), und es schien niemanden gross zu stoeren, man sprach eben einfach Vietnamesisch mit ihr. Es war dann auch Duongs kleine Schwester, die auf die Idee kam, Fotos in ihrer Tracht zu schiessen, sie war ganz begeistert von meiner Kamera. Ich wurde dann auch gleich gebeten, die Fotos in Hanoi auszudrucken und herschicken zu lassen, vielleicht bekommen die dann einen Ehrenplatz an der Fotowand im Haus, genauso wie das Foto von mir und Duong, was ich ihm letztes Jahr geschenkt hatte, und unglaublich geruehrt war, es dieses Jahr an der Wand in diesem kleinem Haus der Familie der Thai in der Provinz Son La an der Laotischen Grenze zu finden. Wer kann so was schon von sich behaupten?

4.9.13 07:29

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