SEALNet the Road to Inclusion

Das Southeastasian Leadership Network (SEALNet) ist eine Organisation von asiatischen Studenten in den USA, die jeden Sommer in verschiedenen suedostasiatischen Laendern Jugendcamps veranstalten, um interkulturellen Austausch zu foerdern, an einem sozialem Thema zu arbeiten und dabei "Leadership Skills" bei den Jugendlichen zu entwickeln. Ich hatte mich bei dem diesjaehrigen Projekt in Vietnam "Der Weg zur Inklusion" beworben, weil es ein Projekt mit koerperlich Behinderten in Saigon war, und ich nach meiner Arbeit an der Blindenschule gerne mehr ueber die Arbeit mit Menschen andersartiger Behinderungen lernen moechte und mir auch ein bisschen erhoffte, mit den Behindertenhilfsorganisationen ein bisschen zu Netzwerken, um daraus vielleicht Erfahrungen zu schoepfen, die den Blinden in Hanoi hilfsreich sein koennen.
offizieller Blog des Projektes: http://sealnetpv13.wordpress.com/

Ich hatte mich eindeutig darin verschaetzt, worin es in diesem Projekt ging. Die meisten Teilnehmer waren asiatische Studenten aus den USA die mal nach Vietnam kommen wollten, oder Vietnamesische Studenten, die gerne auslaendische Studenten kennenlernen wollten. Die erste Woche verbrachten wir fast ausschliesslich mit Kennenlern- und Teambuildingspiele, Leadershipaktivitaeten. Viele kleine Spielchen, bei denen wir uns zum Beispiel gegenseitig mit verbundenen Augen den Weg erklaeren mussten, oder ohne ueber ein Seil zu treten nach einem Zettel mit einem Wunsch zu greifen.

Erst nach einigen Tagen widmeten wir uns der von mir ersehnten Begegnung mit behinderten Menschen, hauptsaechlich Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingescharenkter Motorik. Wir besuchten ein "Activity and Resource Center", wo es Kurse, Gespraechsgruppen und Auftritte und eine Bilbiothek von und fuer Behinderte gab. Die Leiterin erzaehlte uns von den Problemen mit denen die Behinderten zu kaempfen hatten, das groesste war die Mobilitaet im Saigoner Strassenverkehr. Im ganzen Saigoner Busbetrieb gibt es nur etwa 20 Busse, die eine Rollstuhlrampe haben. Taxis sind teuer. Auf Motoraedern koennen viele nicht sitzen. Deswegen hat das Center einen Abholservice mit 3-raedigen Fahrzeugen eingerichtet, aber es fehlt an Geld. Zur Finanzierung versucht man, kleine Souvernirs zu vermarkten, die von einigen Behinderten im Center angefertigt werden, doch es fehlt an Vermarktungswegen. Das Problem ist, dass vietnamesische Souvenirlaeden schon heute ueberschwemmt sind mit Produkten, die angeblich von Behinderten hergestellt wurden, und Vietnamesen gelernt haben, misstrauisch gegenueber solchen Produkten zu sein. Wir diskutierten ob uns irgendwas einfiel, die Souvenirs zu verkaufen und anderartig Spenden zu generieren, aber die Diskussion wurde bald wieder von irgendwelchen Spielchen und Leadershipaktivitaeten unterbrochen. Ich war frustriert, mit meiner Deutschen Art, schnell und ununterbrochen auf irgendein Ziel hinzuarbeiten und musste mich den vietnamesischen Gruppenspielchen ergeben.

In den darauffolgenden Tagen verbrachten wir taeglich mehrere Stunden mit einigen Menschen aus dem Behindertencenter, die mit uns eine Show auf die Beine stellen wollten. Mit einer Auffuehrung wollten wir die Geschichten Behinderter an die vietnamesische Oeffentlichkeit bringen, wo selten darueber gesprochen wird. Rollstuhlfahrer werden in Vietnam oft mit Lottolosverkaeufern gleichgestellt, selten wird wahrgenommen, dass sie auch Studenten, normale Arbeiter, Familienmenschen sein koennen. Dass sie nicht nur bemitleidet sondern gerecht behandelt werden wollen.

In der Show waren meiner Meinung nach einige wirklich schoene Elemente, viele Szenische Auffuehrugen die wir mit den Behinderten erarbeitet hatten, die ihren Alltag darstellten, einige lasen aus ihren Tagebuechern oder traten mit ihren Talenten auf, sei es Gesang oder Rollstuhltanz. Leider wurde das ein wenig ueberschattet von den Auftritten einiger vietnamesischer Promis, die zur Show eingeladen wurden um ein groesseres Publikum anzuziehen. Als Thanh Bui, ein Vietnamese der Mal bei The Voice of Australia mitgemacht hat, auf die Buehne ging, kreischte das Publikum, und die Behinderten waren vergessen.

Ich bin ein bisschen gemischter Gefuehle ueber dieses Projekt. Es war viel Tara um wenig Wirkung, auch wenn ich trotzdem um viele Begegnungen und Erfahrungen reicher bin.

28.8.13 06:25

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